Kuchelauer Hafen

Im Zuge der Auflassung kleinerer Kasernenareale wurde 2012 die in den Jahren 1939(!) errichtete TEGETTHOFF-Kaserne - als einzige nach 1945 verbliebene Kaserne mit Schiffsanlegestelle - in einem öffentlichen Verfahren an institutionelle Investoren verkauft. Das 34ha große am Kuchelauer Hafenbecken gelegene Areal wurde in der Folge in drei Bauplätze aufgeteilt, wobei das denkmalgeschützte ehemalige Kasernengebäude mit der ebenfalls denkmalgeschützten Kaimauer die Mitte bildet und die Grundflächen stromaufwärts als auch stromabwärts für eine Neubebauung in der Bauklasse GB I g– 35% abgeteilt wurden.   Für das stromaufwärts in Richtung Klosterneuburg gelegene Areal wurde im Zuge eines internen Wettbewerbsverfahrens das der Ausführung zugrunde liegende Konzept ausgewählt. Dieses sieht aus Gründen des passiven Schallschutzes eine geschlossene und von der Straße leicht abgerückte Bebauung entlang der Kuchelauer Hafenstraße vor. Der insgesamt 115m lange Baukörper wurde dabei mehrmals leicht geknickt, so daß die Gliederung in 4 Stiegen ablesbar bleibt und sowohl straßen- als auch hofseitig eine elegant strukturierte Aussenerscheinung erzielt wird.   Während der geschlossene Baukörper den Lärm von Schnellstraße und Bahnlinie abhält, öffnet sich das Areal baulich in Richtung Wasser. Drei nahezu baugleiche Einzelgebäude sind leicht zueinander verschoben und verschwenkt, so daß sich auch für die Wohnungen des etwas höher gelegenen, rückwärtigen Längsbaukörpers freie Durchblicke auf das Hafenbecken ergeben. Die frei stehenden Punkthäuser sind dabei in ihren Proportionen auf die Seitenflügel der Kaserne abgestimmt. Ihre spielerische Anordnung sowie das Vorrücken in Richtung „Coastline“ bindet den ehemaligen Kasernenbau mit seinen vorgelagerten Bungalows ein und bildet mit diesem ein zeitgemäßes, modernes Ambiente.   Neben dem städtebaulichen Ansatz haben insbesondere Fragen zur Wohnqualität die Ausformung und Gestaltung der Baukörper bestimmt. Blickbeziehungen zum Wasser sowie die Ausrichtung entsprechend des Sonnenverlaufes, aber auch die Frage, an welcher Stelle welche Wohnungsgröße angeboten werden soll, waren Gegenstand reiflicher Überlegungen. Weiters standen Freiraumqualitäten im Mittel-punkt der Planung: Wohnhöfe entlang der Straße ermöglichen hier das Wohnen im Erdgeschoß, vorgelagerte Hecken schützen die Gärten innerhalb des Areales, großzügige und mit Klarglas verglaste Balkone stellen den direkten Bezug zur Natur her.   Eine besondere Herausforderung stellte die sehr spezielle, hochwassergefährdete Lage am Kuchelauer Hafenbecken und die damit verbundenen strengen Auflagen aus dem wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren sowohl in technischer als auch planerischer Hinsicht dar. Insbesondere waren bedeutende Geländeanpassungen erforderlich, um die gewünschte Absicherung gegen Hochwasser (10.000-jähriges Projekt-Hochwasser) zu erreichen. Aufgrund des fallweise stark schwankenden Grundwasserpegels mußte zudem das Garagenbauwerk schwerer als statisch erforderlich ausgebildet werden, um dem damit einher gehenden Auftrieb entgegen zu wirken. Weitere Auflagen betrafen die Bauführung, so z.B. das Bauverbot während der Laichzeit geschützter Fische oder aber das Rettungsboot, welches aus Dienstnehmerschutzgründen für alle Fälle in Bereitschaft zu halten war.