Rubens_Kraft der Verwandlung

 Peter Paul Rubens (1577 Siegen - 1640 Antwerpen) war seinerzeit ein Star – und ist es bis heute! Sein Name steht für die Malerei einer ganzen Epoche, die Zeit des Barock. Doch wirken seine originellen Bilderfindungen bis in die Gegenwart und prägen mitunter zeitgenössische KünstlerInnen. Jetzt widmet ihm das Kunsthistorische Museum Wien in Kooperation mit dem Frankfurter Städel Museum eine umfassende Schau.

Die Ausstellung thematisiert einen bisher wenig beachteten Aspekt in Rubens’ Schaffensprozess: Sie zeigt, wie tief er in den Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenossen eintrat und wie dies sein etwa fünfzigjähriges Schaffen prägte. Seine Bezugnahme auf Werke von Künstlern unterschiedlicher Epochen ist häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar – in der Ausstellung kann der Besucher die zuweilen überraschenden Korrelationen durch den direkten Vergleich nun im Detail nachvollziehen.

Die Gattungsgrenzen überschreitende Ausstellung vereint Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Werke der angewandten Kunst. An exemplarischen Werkgruppen werden Rubens’ Methoden der Inszenierung bekannter wie neuer Bildthemen aufgezeigt. Dabei öffnet sich ein faszinierender Einblick in geistreiche Bildgenesen und überraschende Motivverwandlungen, aber auch in das intensive Ringen um das richtige Format und die rechte Form. In Rubens’ umfangreichem OEuvre spiegeln sich die Einflüsse antiker Skulptur ebenso wider wie die der späteren Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, von den Meistern des späten 15. Jahrhunderts bis zu seinen Zeitgenossen. Anhand von ausgewählten Beispielen wird den BesucherInnen vor Augen geführt, welch unglaublich kreative Arbeit hinter den Rubens’schen Bildschöpfungen steht und welche Reaktionsketten diese wiederum im künstlerischen Dialog mit seinen Zeitgenossen ausgelöst haben.

Neben Originalskulpturen aus Marmor und Bronze von der Antike bis zur Renaissance werden auch Gemälde und Grafiken von Rubens’ Vorläufern und Zeitgenossen in der Ausstellung zu sehen sein, darunter Schlüsselwerke von Tizian und Tintoretto, von Goltzius, Rottenhammer und Elsheimer sowie von Giambologna, Van Tetrode und Van der Schardt. In Wien und Frankfurt werden insgesamt etwa 120 Werke, darunter 48 Gemälde und 33 Zeichnungen von Rubens, ausgestellt. Zahlreiche der hier gezeigten Kunstwerke sind auch in ihren jeweiligen Heimatsammlungen prominente Anziehungspunkte für Besucher. Zu den international renommierten Leihgebern zählen u. a. das Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Israel Museum in Jerusalem, die National Gallery in London, das J. Paul Getty Museum in Los Angeles, der Prado und das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Louvre, das Metropolitan Museum of Art, die Staatliche Eremitage in St. Petersburg die Vatikanische Museen und die National Gallery of Art in Washington.

Die Besucher treffen auf bekannte mythologische Sujets wie Venus und Adonis, das Parisurteil, oder den an den Felsen geschmiedeten Prometheus, aber auch auf zentrale Themen des Alten oder Neuen Testaments wie die Enthauptung des Holofernes oder die Grablegung Christi. Beispielhaft wird Rubens’ kreativer Arbeitsprozess an seiner Darstellung Christi vor dem Volk aus der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg: Die Ausstellung kann hier mit drei Exponaten Rubens’ metamorphotische Anverwandlung der antiken Skulptur eines Kentauren zeigen. Von dieser Antike fertigte Rubens zunächst eine Zeichnung an, die er anschließend zu seiner außergewöhnlichen Darstellung Christi weiterentwickelte. In einer vollständigen ikonografischen Neubestimmung verwandelte er so aus dem antiken Vorbild des ungezügelten, animalischen Kentauren eine Darstellung des leidenden, vom Betrachter Mitleid einfordernden Christus. Mit Rückgriff auf die Antike wird der Leib Christi so auf höchst überraschende Weise inszeniert und mit seinem athletisch gebildeten Oberkörper regelrecht zur Schau gestellt. Wie in diesem Fall unterzog der Maler die eigenen Kompositionen häufig immer neuen Wandlungen. Gerade den bewussten Rückgriffen auf identifizierbare Vorbilder, die er dabei zu übertrumpfen versuchte, verdanken Rubens’ Werke häufig ihre modern anmutende, dynamische Erscheinung. Am Ende dieses Verwandlungsprozesses stehen Werke, die damals wie heute den Betrachter unmittelbar ansprechen. So kann es nicht überraschen, dass Rubens bis heute als Inbegriff barocker Malerei gilt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Gerlinde Gruber, Kuratorin, Kunsthistorisches Museum Wien, Stefan Weppelmann, Direktor der Gemäldegalerie, Kunsthistorisches Museum Wien und Jochen Sander, Kurator und Vizedirektor, Städel Museum, Frankfurt. Ausstellungsdauer: Wien: 17. Oktober 2017 bis 21. Januar 2018; Frankfurt: 8. Februar bis 21. Mai 2018 http://www.khm.at/de/rubens2017/